Marcus Starck wurde im österreichischen Salzkammergut geboren und begann seine berufliche Laufbahn als Journalist. Eine steile Berufskarriere führte ihn in die Vorstandsetagen internationaler Verlagsgruppen in New York, London, München und Sydney. Er besann sich seiner Wurzeln und entdeckte in Australien seine Liebe zum Schreiben wieder. Seither arbeitet er als Autor, als freier Journalist und Schriftsteller. Sein Debüt SexDotCom, erschienen im Pulp Master Verlag in Berlin, wirbelte eine Menge staub auf. Marcus ist ein Juror für den Glauser Preis und wurde zur lit. cologne eingeladen um aus seinen Büchen zu lesen.
Marcus über Marcus:
Ich mag Äpfel, Granny Smith, sauer, saftig und grün. Immerhin bin ich unter einem Apfelbaum entstanden, sagt zumindest mein Vater. Meine Mutter sagt dazu nichts. Eine laue Sommernacht, Ende Juni 1962 soll es gewesen sein. Conny Froboess stürmte mit »Zwei kleine Italiener« die deutsche Schlagerparade, Elvis war In und natürlich die Beatles. Bruce McLaren gewann in seinem Cooper den Grand Prix von Monte Carlo und Nikita Chruschtschow löste mit seiner Operation Anadyr beinahe den dritten Weltkrieg aus.
Das Krankenhaus, in dem meine Mutter mich zur Welt brachte, lag gegenüber dem Friedhof eines kleinen Städtchens im oberösterreichischen Voralpenland. Lag, weil heute steht dort ein Altersheim, der Apfelbaum, schon lange gefällt, ein dreistöckiges Apartmenthaus hat ihn auf dem Gewissen, der Friedhof ist, wo er immer war.
Meine Kindheit verbrachte ich gegenüber einer Kaserne. Mein Vater, ein Offizier des österreichischen Bundesheeres, zog es vor, nahe seiner Dienststelle zu wohnen. Also wuchs ich erst einmal zwischen Schützenpanzern, Soldaten und Gewehren auf, wurde eingeschult und verliebte mich in meine Lehrerin. Wahrscheinlich war der Altersunterschied doch zu groß, unsere Beziehung hatte keine Zukunft.
Lesen habe ich dennoch gelernt, schreiben und rechnen auch. Meistens stand allerdings »Thema verfehlt« unter meinen Aufsätzen. Mein Mathelehrer wollte die kreativen Wege, die ich entwickelte, um die gestellten Aufgaben zu lösen meist nicht akzeptieren. Lehrer konnten sich ohnehin gflücklich schätzen, sollten sie überhaupt in den Genuss gekommen sein, je eine Arbeit von mir zu Gesicht bekommen zu haben.
Ich liebte es, Geschichten zu erzählen und kam schnell in den Verruf ein Geschichtenerzähler zu sein. Irgendwann hatte ich genug von »Lass ihn nur reden!« oder »Aus dir wird nie was Vernünftiges!« und beschloss doch »Etwas« aus meinem Leben zu machen. Was immer das auch bedeutete.
Elektrotechnik klang nicht schlecht. Ich belegte diesen Studiengang, Schwerpunkt technische Informatik, und ließ mich zum Dipl. Ing. ausbilden und fing an Artikel für Fachzeitschriften zu schreiben. Eine Zeitschrift bot mir in München eine Stelle als Redakteur an, die ich annahm. Nebenbei studierte ich Journalismus.
Meine Karriere führte immer weiter vom Geschichtenerzählen weg, hinein in die trockene Welt des Managements. Zahlen, Statistiken, langweilige Meetings, Strategien, Erfolg, Shareholder Value, Geld, Geld und wieder Geld. Irgendwann fand ich mich in der Geschäftsführung einer internationalen Verlagsgruppe wieder, es blieb keine Zeit mehr für meine Familie.
Ein schwerer Verkehrsunfall hatte zur Folge, dass ich mich für sechs Monate ins Klinikum Großhadern legen musste und mich ernsthaft fragte, ob das wirklich das »Etwas« war, das ich aus meinem Leben machen wollte. War es nicht. Deshalb packte ich meine Familie in ein Flugzeug, unsere Möbel in einen Container und ab nach Australien.
Unser Ziel war Perth wegen der durchschnittlich acht Stunden Sonne am Tag, den kilometerlangen, menschenleeren, weißen Stränden, den freundlichen Menschen und dem guten Wein. Ein Haus am Meer, ich kann den Yachthafen und den Strand überblicken. Auf dem Grill brutzeln Lobster, der Wein steht griffbereit im Kühler und ich beobachte die Fischerboote beim Einlaufen. Mittlerweile habe ich eine kleine Farm in der Nähe von Sydney. Die ideale Atmosphäre, um Geschichten zu erzählen und sie auch aufzuschreiben. So der Plan...
All the best vom anderen Ende der Welt!
Marcus