Grundsätzlich: meine Bücher sind nicht für Chemiker geschrieben, sondern für Leute, die sich gezwungenermaßen mit Chemie als Ergänzungsfach beschäftigen müssen, und deren Erinnerungen an die chemische Schulzeit - no, sagen wir - negativ besetzt sind. Wer Chemie studieren will, braucht mehr !!! (Wobei ich nicht unbedingt jemanden abhalten will, sich die Bücher für den ersten Einstieg anzuschaffen.)
Ich bin selbst ein eher visueller Typ, der lieber liest als zuhört, und habe daher durchaus Verständnis für Schüler und Studenten (geschlechtsneutral, gilt für männlich und weiblich) denen es ebenso geht, und die daher aus Vorträgen wenig profitieren. Die üblichen Lehrbücher sind aber oft unbefriedigend, weil sie schon Grundkenntnisse aus der allgemeinen Schule voraussetzen - was leider nach meiner Erfahrung für sehr viele Studenten nicht gilt - und daher gerade die einfachsten Grundlagen, auf denen sich alles andere aufbaut, zu wenig deutlich erklären. So habe ich mich entschlossen Bücher zu schreiben, die wie eine niedergeschriebene Vorlesung aufgebaut sind, mit folgenden Kriterien:
- Keine Vorkenntnisse voraussetzen (nur selbständig umblättern muss man können)
- Keine "akademische" Ausdrucksweise, damit man nicht jeden Satz dreimal lesen muss.
- Den Schwerpunkt auf das Verständnis der Grundlagen richten, Details kann man später überall nachschauen. Diese Grundlagen aber dafür wirklich sehr ausführlich erklären!
- Mechanismen möglichst an nicht-chemischen Beispielen erklären. (Ja das geht, es hat doch keinen Sinn, jemanden, der sich in Chemie nicht auskennt, chemische Beispiele um die Ohren zu schlagen, die sie oder er erst recht nicht durchschaut.)
- Einfache Bilder und Grafiken verwenden (super-hochglanz-vierfarb Bilder bringen oft zum Verständnis nichts, weil hinter den vielen Details die eigentliche Botschaft untergeht, nur das Buch wird teurer.)
Damit das Ganze nicht zu dick und zu teuer wird, habe ich es auf drei Bücher aufgeteilt. Das erste, "Chemie verstehen", behandelt nur die allgemeine Chemie, also die gemeinsamen Prinzipien. Das zweite Buch, "Chemie erleben", behandelt die anorganische (sehr kurz), die organische und ein wenig die analytische Chemie, hier kommt auch die Orbitaltheorie vor, die manche schon im ersten Buch schmerzlich vermisst haben. Aber Orbitale braucht man unbedingt erst für die organische Chemie. Das dritte Buch, Chemie berechnen, behandelt chemische Rechenverfahren inklusive der dazu notwendigen Mathematik (ist nicht gar so viel, keine Angst) weil ich feststellen musste, dass an vielen Verständnisproblemen nicht Chemie, sondern längst vergessenen Mathematik die Schuld trägt. Alle Bücher sind aber unabhängig voneinander lesbar - ich will auch niemanden zwingen, sich unbedingt alle drei anzuschaffen.
Na dann, viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg.
Edgar Wawra
1947 geb., Studium der Chemie (Studienzweig Biochemie), ab 1978 Universitätsassistent an der Universität Wien, Institut für Molekularbiologie (in der Folge: Medizinische Universität Wien, Department für Medizinische Biochemie), 1981 Promotion zum Dr. rer. nat., 1989 Habilitation für Biochemie, Medizinische Fakultät der Universität Wien; 1996 Verleihung des Berufstitels „Außerordentlicher Universitätsprofessor“; April 2011 Eintritt in den Ruhestand.