Ich war der, der immer vorne ging.
PRATALINKO, Sergeij Waschowitsch, genannt PRATAJEV
Haben Sie noch nie etwas von Pratajev gehört? Wirklich nicht? Dann kommen Sie und lesen Sie, was es zu lesen gibt, staunen Sie über einen erstaunlichen russischen Dichter, der zu Unrecht von einigen bösartigen Kritikern als Birkenholzlyriker verunglimpft wurde, damals, als er noch lebte. Und damit nicht in Vergessenheit gerät, was Pratajev schrieb, zieht seine Leib- und Magenkapelle, The Russian Doctors, gerne durchs Land, singt seine Texte zu schneller Gitarre und bringt des Dichters Botschaft „Jeder Schluck ist ein guter Schluck“ unter das Volk. Die Pratajev-Gesellschaft e.V. druckt seine Werke und verbreitet neueste Erkenntnisse aus der tiefgreifenden Forschung. Und auch Ihnen, werter Leser soll nun der Weg zu Pratajev geebnet werden, damit sie eines Tages lächelnd und glücklich die Seminare der Pratajev-Forschung und die Konzerte der Doctoren Makarios und Pichelstein besuchen können, denn dort dreht sich alles um ihn, den großen russischen Dichter Pratajev.
Pratajev wurde 1902 in Kurtschinsk-Robersk in einfachste Familienverhältnisse geboren. Sein Vater sammelte Heilkräuter, seine Mutter pflegte die Tiere, früher nannte man diesen Beruf der Einfachheit halber Kuhbürsterin. Schnell begriff der talentierte junge Pratajev, dass das ärmliche Leben seiner Familie nicht den eigenen Idealen entsprach, er wollte hoch hinaus, zumindest weg aus der vom Permafrost bedrohten Gegend im Mittleren Ural. So wurde er Mineralwasserquellenbesitzer, Verkoster für kommunistische Parteigrößen, Holzkarussellführer, Hilfszahnarzt, Hobbyorthopäde und Biberbeobachter. Gern wäre er ein richtiger Arzt geworden, doch seine Medizinischen Schriften blieben unbeachtet. Vielleicht lag es an den eigenwilligen Titeln seiner Fachartikel und Manuskripte, „Augenoperationen auf hoher See“ sei hier als Beispiel genannt. Vielleicht war er seiner Zeit einfach nur um Längen voraus. Pratajev entdeckte die u.a. die Krankheiten „Lungenschizophrenie“, „Rückenriss“, „Pneumowade“ sowie den legendären „90-Grad-Finger“.
Pratajevs Unglück, nicht den geliebten Arztberuf zu erlangen, ist jedoch unser Glück, denn so verlegte er sein Augenmerk mehr und mehr auf die Schriftstellerei. Er schrieb ungezählte Gedichte, verfasste Kurzgeschichten und erlangte u.a. seinen größten Ruhm mit einem Roman um die „Die Kriminalfälle des Igor Pavlowitsch“. Pratajev, entdeckt und gefördert von seinem Verleger Wallgold, lernte ab Mitte der dreißiger Jahre immer mehr interessante Leute kennen, die vom Erfolg des Dichters angezogen wurden und bald einen unüberschaubaren Tross auf seinen Lesereisen bildeten. Herauszuheben ist hierbei der Erlenholzgitarrist Anatoli Prumski, Pratajevs treuester Freund und Begleiter. Diese Freundschaft und natürlich sein Charisma, öffnete ihm das Tor zur Damenwelt und wie wir heute wissen, machte er reichlich Gebrauch davon.
So manche Geschichte rankt sich um das wilde Leben dieses Künstlers, der neben seinem literarischen Einsatz im Dienste der Kultur auch auf anderen Abwegen mit großer Tatkraft glänzte. Moderne Forscher, wie B.C. Nuljubin der Jüngere II und Valeri Kamtschatkin beleuchten inzwischen ausgiebig diese Abwege und erklären uns, warum Pratajev so war, wie er war und warum er keine anderen Gedichte schreiben konnte. Kamtschatkin beispielsweise, schreibt in seiner 8. Doktorarbeit über das Gedicht „Angler in der Dämmerung“ folgendes: „Es ist inzwischen unstrittig, dass die in diesem Gedicht beschriebenen Angler stellvertretend für Pratajevs Angst vor Alterssex stehen. Heißt es im Text: „(…) und am Ufer sitzt gern eine Nonne, auch die fragt nicht nach Sonne, Angler in der Dämmerung drehn sich verängstigt um (…)“, bedeutet dies nichts anderes, dass sich der Dichter vor der über 80jährigen Nonne Ljuba fürchtete. Diese war die letzte, die im Gebiet um Miloproschenskoje tätig war und sie war eine glühende Verehrerin Pratajevs. In ihrem Tagebuch fand man später mehrere Hinweise, dass sie versuchte, Pratajev zu überreden, sie zu schwängern. Pratajev, der es gewohnt war, von sehr jungen Schwesternschülerinnen, Literaturstudentinnen oder Lehrerinnen umschwärmt zu sein, geriet in ein Dilemma, denn es war ihm fremd, Wünsche seiner Fans auszuschlagen. Andererseits ekelte er sich und dieser Zwiespalt führte zu einem Kreativitätsschub, in dessen Folge Gedichte wie „Angler in der Dämmerung“, „Wenn sie jung wär, würd ich's wagen“ oder „Mord ist keine Lösung“ entstanden.“
Pratajevs treuer Freund, Anatoli Prumski, erlöste den Dichter dann aus seinen Zweifeln, indem er sich anbot „es“ zu tun. Wie die Sache ablief, lässt sich heute nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Nuljubin d.J. spricht von einer raffinierten Täuschung, Kamtschatkin von einem Akt der Verzweiflung. Als gesichert gilt, daß er der unwissenden Nonne ein Ferkel unter dem Rock hervorzauberte und diese das Schweinchen natürlich als ihr Kind begriff. Sie hatte ja keine Ahnung, wie das alles wirklich geht. Pratajev, dem nicht wohl war, als er von der Aktion Prumskis erfuhr, war heilfroh, daß niemand die Nonne aufklärte. Ljuba lebte noch einige Jahre mit dem Schwein zusammen, und nur einmal beschwerte sie sich schriftlich bei Pratajev, dass das „Kind“ nicht sprechen lernt. Als die Nonne dann im Jahre 1958 verstarb, nahm sich Pratajev des verwaisten Tieres an und ließ es im Teehaus Protnik anlässlich seines Geburtstages schlachten. Das Fest dauerte drei Tage und alle waren glücklich. Einzig Pratajevs Angst vor älteren Frauen blieb bestehen und er achtete auch im Alter sehr genau darauf, dass sich keine jünger wirkende Vierzigjährige in seine Kammer verirrte. Oft ließ er sich sogar, ehe er Autogramme gab, den Personalausweis zeigen.
Pratajev, als großer Trinker bekannt, bezahlte sein ausschweifendes Leben schon 1961 mit einem viel zu frühen Tod. Bereits kurz nach seinem Ableben gerieten seine Person und sein Werk in Vergessenheit. So blieb es dem Die Art-Sänger H. Makarios Oley vorbehalten, Pratajev Ende der 80er Jahre in einer Leipziger Druckerei wiederzuentdecken. Wir wünschen viel Vergnügen, Forscherdrang und Wissensdurst bei der Lektüre des vorliegenden, ersten umfangreichen Lexikons aus der Pratajev-Bibliothek des Verlages und Verlegers Andreas Reiffer, dem wir zuletzt so viel zu verdanken haben, dass ihm nunmehr der längst überfällige Titel „Wallgold II jun.“ übertragen wird.
Die Pratajev-Gesellschaft
4 our worldwide-followers this notes:
S.W. Pratajev was an important and influential russian poet. Nowadays he is, sadly und undeservedly, mostly forgotten. But he shouldn't be, because he gave as great poems like "Dead cats in the wind" and "A rat has a heart too" as well as crime novels and even medicinal essays. You really should check him out, and you can do that here!