Ein befreundeter Autor wurde gefragt, warum er schreibe. Seine Antwort war eindeutig: „Damit etwas bleibe“, sagte er.
Auch ich schreibe. Warum? Weil es mir Freude macht. Zu den einzelnen Charakteren, die mit der Zeit ins Leben gerufen werden, baut man eine enge Beziehung auf, verbringt viel Zeit mit ihnen und sie wachsen einem ans Herz. Allerdings nicht alle. Bösewichte werden vielleicht noch übler und andere Figuren bleiben eher unscheinbar, sind aber dennoch für die Geschichte von Bedeutung. Sie alle sind lebendig, solange man sich mit ihnen beschäftigt.
Ich kann nicht sagen, welche meiner Protagonisten mir am meisten ans Herz gewachsen sind. Gewiss, manche sind einem näher als andere, das lässt sich nicht bestreiten, doch jeder von ihnen hat seinen Platz in meinem Herzen.
Lena Martel, die Wolgadeutsche, die nach Sibirien verschleppt wurde, gehört zweifellos zu den herausragenden Personen, die ich geschaffen habe. Die beiden Bände „Aufrecht durch die Nacht“ erzählen von dem Leid und den Qualen, die ihr widerfahren sind, aber auch von ihrem Mut und dem unbedingten Willen zu leben.
Ein sehr aufwendiges Buch, das mich lange beschäftigt hat. Daher hat mich das große Interesse daran besonders gefreut.
Ein weiteres Buch möchte ich hervorheben: „Blue Moon“. Dem Leser die Hauptdarsteller nahezubringen, ist vielleicht die wichtigste Aufgabe eines Autors. Nur wenn dies auch gelingt, kann sich der Leser mit den Protagonisten identifizieren und er wird weiter in die Geschichte eintauchen. Man schafft es nicht immer. In diesem Buch erzählen die beiden Hauptpersonen in der "Ich-Perspektive", wodurch eine große Nähe zum Leser entsteht.
Nun ist es ja nicht so, dass meine Bücher nur den Lesern gefallen sollen. Auch mir macht es großen Spaß, zu schreiben. Am Anfang steht natürlich immer die Story. Man denkt sich eine Geschichte aus. Nicht ganz einfach, doch hat man das Konzept beisammen, ist schon viel gewonnen. Glaubwürdig oder zumindest einigermaßen überzeugend muss sie sein. Wer schreibt, erschafft etwas. Ein Autor erschafft Welten – oder er nimmt halt die, die gerade da ist. Seinen Protagonisten haucht er Leben ein, lässt sie leiden oder triumphieren und zu Helden werden.
Und immer dann, wenn ein Werk vollendet ist, heißt es, Abschied nehmen. Sich von liebgewonnenen Figuren zu trennen, fällt schwer und es bedarf der Distanz, bevor man sich Neuem zuwendet. Natürlich ist da auch immer die Freude auf das, was als Nächstes kommt. Und erst wenn der Abstand groß genug geworden ist, kann man sich zu neuen Ufern aufmachen.
Mal schauen, was die Zukunft noch alles bringt.