Fritz Walter

Nachdem ich mit Neunzehn von zu Hause ausgezogen bin war meine erste Anschaffung eine alte elektrische Büroschreibmaschine von Olympia und ein Zehn-Finger-Tast-Lernheft. Da muss ich also schon gewusst haben, was ich will, nämlich dereinst Autor zu sein. Und zwar mit ziemlicher Entschlossenheit: Die Olympia war noch eine Typenhebel-Schreibmaschine, in der man ein A4-Blatt quer einspannen konnte, hatte einen gusseisernen Rahmen und war entsprechend schwer. Gekauft habe ich sie in einem Second Hand irgendwo in Kreuzberg und sie dann mit der U-Bahn nach Hause nach Moabit geschafft. Als ich dort endlich anlangte, hingen mir die Arme bis zu den Knien ...

Ich habe mich dann an eine Leitlinie von Nietzsche gehalten, wie man Autor wird: Alles aufschreiben, was einem in den Sinn kommt; nicht, damit andere es lesen, vielleicht noch nicht einmal zum später selber lesen. Hauptsache aufschreiben! Nach zehn Jahren, so schrieb er, hat sich das handwerkliche Geschick weit genug entwickelt, um größere Sachen anzufangen, und es liegt auch genug Material dafür vor.

Das war 1973. Im Sommer 1977 habe ich meine Schwester in Frankreich besucht und einige Tage ganz allein in einem alten Bauernhaus verbracht, das der Familie gehörte, irgendwo im Nirgendwo mitten in Frankreich.

In dieser idyllischen Ruhe sind dann die Hauptfigur und das prinzipielle Layout der Fantasiewelt für die 'Gespräche mit dem Großmeister' entstanden. Was kann man auch schon tun, wenn einem die Muse im Nacken sitzt ...

Es folgten eine Kurzgeschichten und Fragmente in diesem Rahmen und schließlich ein erster Roman, noch gedacht als Fingerübung und Test, ob ich das überhaupt fertig bringe.

Das war der Bastard, 350 Seiten stark und 1985 beendet. Alles noch auf der Schreibmaschine, mit Copy and Paste in Papierform, sprich Absätze oder auch nur Teile davon ausschneiden und neu zusammenkleben; manche dieser Seiten waren zum Schluss sechs Lagen stark. Und dann alles noch einmal abtippen. Fehlerfrei. Auf Papier. Die Urfassung war selbstverständlich handschriftlich.

Wie alle hoffnungsfrohen neuen Autoren habe ich das Manuskript verschiedenen Verlagen angeboten, mit dem üblichen Ergebnis.

Das konnte mich aber nicht vom Schreiben abhalten, die Muse hatte endgültig ihre Krallen in mich geschlagen.

Ebenfalls in den 70ern habe ich ein größeres Werk angefangen, 'Gespräche mit dem Großmeister' . Darin wollte ich einiges von meiner Lebensphilosophie verarbeiten und was einem sonst so für Gedanken kommen.

Das Werk ist im Bereich Fantasy angesiedelt. An diesem Genre hat mich die Freiheit fasziniert und inspiriert, die es dem Autor bietet: Man muss keine Rücksicht auf äußere Rahmenbedingungen nehmen, wie zum Beispiel bei einem Historienroman oder einem Krimi, und ist vollkommen frei in der Gestaltung der Charaktere, die von jeder Rasse und Art sein konnten, und der sozialen, historischen und geographischen Welt, in der sie agierten.

Zu jener Zeit dominierten Autoren wie Moore, Cherry, Asprin, Vance den Fantasy-Markt, und man konnte regelmäßig Humor, interessante Charaktere und vor allem alternative und teilweise höchst skurille Gesellschaftsentwürfe in diesem Genre finden -- und keine Orks (außer bei Tolkien), Vampire und Werwölfe, wenig exzessive Gewalt und auch nicht viele Drachen (Außer bei Gaffry).

Wenn ich heute vor dem einschlägigen Regal in einer Buchhandlung stehe, frage ich mich manchmal, ob das die richtige Entscheidung gewesen ist. Über das, was man dort finden kann, will ich an dieser Stelle den Mantel gnädigen Schweigens breiten. Jedenfalls scheinen so ziemlich alle Entwürfe für die historische Phase, Charaktere und Plots auf die von Tolkien geschaffene Fantasiewelt eingeengt zu sein.

Eines Tages stand ich vor dem Fantasy-Regal einer Buchhandlung und habe nicht einen einzigen männlichen Autor gefunden. Das scheint inzwischen ein Genre zu sein, in dem ausschließlich Frauen für Frauen schreiben. Wie gesagt: Wenn ich das vor fünfzig Jahren gewusst hätte ...

In meinem Schaffen bin ich drei Leitsternen gefolgt, C. J. Cherryh, J. R. R. Tolkien und vor allem Jack Vance. Alle drei habe ich viele Jahre lang bewundert. Irgendwann, der 'Großmeister' mochte inzwischen bei Band sechs oder sieben angelangt sein, habe ich sie noch einmal gelesen und erstaunt festgestellt, Frau Cherryh und Herrn Tolkien inzwischen überflügelt zu haben (kein Scheiß!): Immer noch zu viel Klischee und kein Humor, und Tolkien schreibt in zwei seiner Ring-Bände über den Krieg, obwohl er sich ganz offensichtlich niemals mit Kriegsgeschichte beschäftigt hat.

Denn obwohl Fantasy so viel Freiheit bietet, muss man sich doch an die innere Logik der Geschichte halten. Charaktere müssen kongruent sein oder wenn, dann sich aus nachvollziehbaren Gründen ändern; Zeitlinien dürfen keine unerklärten Sprünge aufweisen, und man kann die den Dingen innewohnende Logik nicht einfach ignorieren. Für den Krieg heißt das, Gott ist mit den starken Regimentern, und es wird eben nicht eine Handvoll Leute, die alle liebenswerte Schwächen aufweisen, gegen die böse Supermacht siegen, einzig und allein aus dem Grund, weil sie gut sind! Das ist mir in diesem Genre schon immer sauer aufgestoßen. Und übrigens nicht nur da.

Und den literarischen Kniff deus ex machina anzuwenden, wenn man seine Helden gegen die Wand geschrieben hat, wie es zum Beispiel Michael Ende gerne machte, das gilt schon mal gar nicht.

So ist nach all den Jahren einzig und allein Jack Vance übrig geblieben, von dem ich weiß, dass ich nie an ihn heranreichen werde. Und vielleicht noch Terry Pratchett. Obwohl beide auch schon mal beim Showdown schwächeln konnten ...

Meine Fantasy-Reihe umfasst derzeit neun Bände der 'Gespräche mit dem Großmeister', sowie den 'Bastard' sozusagen als Band Null.

Vor ein paar Jahren habe ich dann angefangen, mich mit der Technik und der Relevanz von Luftschiffen zu beschäftigen.

Wann immer dieses Thema aufkommt, wird unweigerlich die Hindenburg-Katastrophe erwähnt. Die ist von den Propagandisten der Flugzeugindustrie seinerzeit benutzt worden, um die unliebsame, weil wirtschaftlichere Konkurrenz aus dem Markt zu drängen, und wird auch heute noch angeführt, um sie draußen zu halten. Ungeachtet der Zehntausende, die seitdem bei furchtbaren Flugzeugunfällen ums Leben gekommen sind, wohingegen es bei der Hindenburg gerade 36 Tote waren.

Dabei verfügen wir heute über eine Technik, die Luftschiffe außerordentlich wirtschaftlich und zugleich ökologisch interessant macht: Mit Dünnschicht-Solarzellen auf der Außenhaut und Wasserstoff als Trag- und Treibgas aus der Luftfeuchtigkeit könnten sie permanent in der Luft bleiben, bei minimalen Betriebskosten. Hat man Angst vor dem ach so gefährlichen Wasserstoff, kann man sie wie Drohnen fernsteuern; es würden immer noch jede Menge interessante Einsatzgebiete übrig bleiben.

Der Betrieb ist also unproblematisch und wirtschaftlich, der Bau allerdings nicht, denn ab einer bestimmten Größe wird eine Werfthalle preislich oder sogar technisch unmöglich. Man braucht aber eine, um das Luftschiff während des Baus vor dem Wetter zu schützen.

Warum aber nicht die ganze Werft in den Himmel heben? Dort treibt sie mit den Winden, und ein Schiff im Bau würde nicht mehr darunter zu leiden haben.

An diesem Punkt meiner Überlegungen angelangt, habe ich beschlossen, einen Roman darüber zu schreiben.

Heinrich Maria Scynkowski ist Luftschiffingenieur und IT-Experte an Bord des Lufthafens Europa III, von seinen Bewohnern das Wolkenschloss genannt, das über dem Mittelmeer treibt. Vom Denken und Aussehen ein Außenseiter, ist er ein Sandkorn im Getriebe der Interessen und Intrigen, die dort herrschen, und muss zusehen, wie er längs kommt. Er ist nicht unbedingt das, was man unter einem braven, gesetzestreuen Bürger versteht, und macht das auf seine eigene Art und Weise ...

Soweit der Klappentext des ersten Buches meiner Science-Fiction-Serie: Leichter als Luft. Inzwischen sind es elf, sechs davon im "aktuellen" Zeitstrahl und fünf ein Vierteljahrhundert früher, Szcynkowskys junge Jahre, sozusagen die Reise des Helden.

Eine durchgehende Nebenhandlung hat den Argentinischen Tango zum Thema, ebenso wie immer wiederkehrende Probleme mit der woken Ideologie.

Ich verlege alle meine Bücher selbst und verkaufe sie über Amazon.

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