Wer bin ich?
Diese Frage ist, wenn man sie oberflächlich betrachtet, sehr schnell beantwortet:
Name: Doris Strittmatter, geborene Happ
Geburtsdatum: 08.05.1962
„… oh, ich bin wirklich schon so alt? ... Entschuldigung!“
Familie: Vater (89), Mutter bereits verstorben, zwei Schwestern (50 und 41), ein Sohn (37), ein Enkelkind (5), eine Schwiegertochter (33), zwei Schwager (42 und 37), eine Nichte (10)
Familienstand: seit Juli 2018 verwitwet
Wohnort: Bad Salzschlirf ... ein wunderschön gelegener Kurort
in der Nähe von Fulda in Hessen.
Ausbildung und Beruf: Medizinische Fachangestellte, Tischlermeisterin, Staatl. geprüfte Fachwirtin in kaufm. Betriebsführung im Handwerk, Pädagogische Fachkraft, Kursleiterin Waldbaden®, Natur-Resilienz-Trainerin®.
Aber … Wer ist der Mensch Doris Strittmatter wirklich?
Dazu muss ich etwas weiter ausholen …
"Begleiten Sie mich doch kurz auf meinem Lebensweg, wenn sie möchten."
Wenn ich nun mal zurück zu meiner Ankunft am 8. Mai 1962 gehe, muss ich gestehen, dass ich mich daran nicht mehr erinnern kann. Aber aus Erzählungen weiß ich, dass meine Eltern natürlich sehr erfreut über meinen Entschluss waren, ihr Leben fortan zu bereichern und gehörig auf den Kopf zu stellen.
Ich hatte eine behütete und schöne Kindheit, was ich in dieser Zeit jedoch oft anders sah. Bis ich schließlich in die Jahre des Suchens kam … das erste Erwachen in der Pubertät.
Plötzlich war alles anders!
Meine Lebenswelt kam ins Kippen ... Rebellion … Wünsche … Träume … warum … wofür … wohin … alles vermischte sich!
" … diese Gefühle und Gedanken hier aufzuschreiben würde den Rahmen sprengen. Ich glaube die meisten Menschen wissen was ich meine. Schließlich muss jeder durch diese Zeit der Veränderung und des Erwachsenwerdens gehen."
Nach Abschluss der Realschule besuchte ich mangels einer Lehrstelle die höhere Handelsschule. Eigentlich wusste ich absolut noch nicht was ich machen wollte bzw. welche verborgenen Talente ich habe.
Die Suche ging also weiter ...
Nach der Schule bekam ich eine Ausbildungsstelle im Beruf Arzthelferin … heute heißt das Medizinische Fachangestellte … und legte nach Abschluss der Ausbildungszeit eine erfolgreiche Prüfung ab.
Nun hatte ich also einen Beruf, doch fühlte ich keine Berufung! Die Arbeit machte mir zwar Spaß, aber sie konnte mir nicht das Gefühl vermitteln, am richtigen Platz angekommen zu sein.
Es folgte eine Zeit als Hausfrau und Mutter. Eine wunderschöne Zeit, die jedoch auch ihre Höhen und Tiefen aufzuweisen hatte. In dieser Zeit erwachte meine Kreativität und ich begann mich für alles, was mit HandArbeit und Selbermachen zu tun hatte, zu interessieren.
Mir wurde klar, dass meine Art zu lernen die des "Learning by Doing" ist. Egal was gebraucht wurde … “kann ich nicht“ ließ ich nicht gelten. Ich suchte mir stets die nötigen Informationen und probierte es aus.
Diese Erfahrungen sollten mir später noch eine große Hilfe sein.
Als mein Sohn schließlich fünf Jahre alt war wollte ich endlich wieder eine Aufgabe in der Gesellschaft übernehmen. Doch was konnte ich tun? In meinem Lehrberuf hatte ich noch keine Berufserfahrung und die Stellen waren zu dieser Zeit knapp. Außerdem suchte ich ja immer noch nach meiner Berufung.
Nach einiger Zeit des Überlegens entschloss ich mich den Beruf meines Vaters zu erlernen und begann eine Umschulung zur Tischlerin.
"Jetzt muss ich aber gestehen, dass ich doch ein wenig ehrgeizig bin. Alles, was ich tue, ziehe ich immer bis zur letzten Konsequenz durch.
Natürlich hat der Dickkopf des Sternzeichens Stier auch einiges mit meinem Streben zu tun. Wo Wand ist, muss Kopf durch … koste es das Leben."
Also besuchte ich nach den vorgeschriebenen drei Gesellenjahren die Meisterschule und legte eine erfolgreiche Meisterprüfung im Tischlerhandwerk ab.
Die nächsten Jahre waren geprägt durch traditionelle Arbeit im Handwerksbetrieb. Danach folgte eine Zeit der Arbeit mit sozial benachteiligten Menschen aus schwierigem sozialen Umfeld … meine soziale Ader hatte die Oberhand gewonnen.
Doch stürzte mich die Arbeit auch in Gewissenskonflikte. Wollte ich überhaupt Menschen dazu bringen Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht wollen oder für die sie nicht bereit sind? Nein!
Inzwischen waren auch meine Träume von früher wieder zum Leben erwacht.
Selbstbestimmt und authentisch leben … das tun, was ich gut kann … meine Arbeit mit dem Herzen tun … abends zufrieden mit dem Tagwerk sein … den Zeitdruck und den Stress verringern … das wertschätzen, was ich habe und nicht nach unnötigen materiellen Dingen streben … so naturnah wie möglich leben …
" … Moment! … naturnah leben … kann man das in Deutschland überhaupt?"
Da waren die ersten Zweifel, ob ich mich überhaupt am richtigen Platz in diesem Universum befand. Es gingen mir tausend und eine Frage im Kopf herum, ohne dass ich ein Stück weiterkam.
Die Wende kam mit einem Urlaub bei meiner Schwester in Brasilien. Dort wurde mir klar, dass ich in Deutschland zu dieser Zeit nicht am richtigen Platz war. Nach der Rückreise kehrte jedoch der Alltag ein und diese Erkenntnis verlor zunächst wieder an Wichtigkeit. Mir fehlten die Zeit und die Muse über den Sinn meines Lebens nachzudenken.
Etwa zwei Jahre später übernahm das Leben die Führung. Meine Füße begannen sich zu verselbstständigen und strebten unaufhaltsam in Richtung Brasilien. Ich entschloss mich dazu ihnen zu vertrauen und lehnte das Angebot meines damaligen Arbeitgebers, meinen befristeten Arbeitsvertrag zu verlängern, ab. Nun begann ich gemeinsam mit meinem Mann das Auswandern zu planen und wir fingen an unseren Hausstand aufzulösen. Nebenbei machte ich ein Fernstudium zur Heilpraktikerin, um mein medizinisches Wissen aufzufrischen, und ehe ich mich versah, saßen wir im Flieger auf dem Weg in ein neues Leben.
Die Zeit in unserer neuen Heimat war die beste und lehrreichste Zeit meines Lebens, obwohl nicht immer alles einfach war und für mich, im Nachhinein betrachtet, das Thema "Loslassen und Vertrauen haben" wohl im Vordergrund stand.
Mein Mann erkrankte schwer und die Pläne des Lebens brachten uns zurück an den Platz meiner Kindheit. Ich nahm wieder eine Arbeitsstelle im sozialen Bereich an einer Hauptschule an und das Leben ging weiter.
Natürlich war nun alles anders, denn ich hatte mich durch die Geschehnisse verändert … nein, besser gesagt weiterentwickelt und jede Menge Lebenserfahrung gesammelt.
Diese konnte ich da, wo ich zu dieser Zeit angekommen war, sehr gut weitergeben. Meine Arbeit mit Jugendlichen füllte mich aus, machte mich aber oft auch sehr traurig. Mir wurde immer mehr bewusst, dass man heute alles nur an materiellen Dingen misst und die wahren Werte meist nicht mehr zählen. Wollte ich mich da fügen ...?
Schließlich kam mit dem Tod meines Mannes, im Juli 2018, ein weiterer Schicksalsschlag, der mich zunächst in den Abgrund führte. Ich verlor den Boden unter den Füßen und musste mich intensiv mit meinem bisherigen Leben und meiner Zukunft auseinandersetzen. Mir wurde klar, wie sehr mir das selbst bestimmte Leben, welches ich in Brasilien gelebt hatte, fehlte. Doch die Kraft, dort noch einmal von vorne anzufangen, hatte ich nicht.
Schließlich trat durch Zufall … nein, es war wohl ein Plan, den das Leben gemeinsam mit meinem Herzen geschmiedet hatte, … das Thema Waldbaden (Shinrin-Yoku) in mein Leben. Bis ich mich versah war ich zur Ausbildung "Kursleiterin Waldbaden" bei der "Deutschen Akademie für Waldbaden und Gesundheit" angemeldet und konnte diese dann schließlich auch mit Erfolg abschließen. Das brachte alles in Rollen ...
Plötzlich öffneten sich ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten. Der Sinn meines bisherigen Weges erschloss sich mir immer mehr ... da war er, der rote Faden! Mir wurde klar, dass ich mich zukünftig wieder den Dingen widmen sollte, die mir Zufriedenheit geben und meine Seele nähren, dass ich die Erfahrungen meines Lebens mit anderen Menschen teilen sollte. Also beschloss ich meine Arbeitsstelle zu reduzieren und dem Weg meines Herzens zu folgen.
In unsrer brasilianischen Zeit hatte ich in einem sozialen Netzwerk Tagebucheinträge für die zurückgebliebenen Freunde und die Familie eingestellt, weil sie uns weiter begleiten wollten. Alle waren von meinen Einträgen so begeistert, dass ich beschloss diese Einträge zu überarbeiten und als Buch zu veröffentlichen.
„Der Zauber des Anfangs - … Und es kommt immer anders, als man denkt!“
Erlebnistagebuch vom Auswandern
© Doris Strittmatter 2019, Paperback und eBook
Herstellung und Verlag BoD Norderstedt
Im Buchhandel erhältlich seit 28.04.2020
ISBN 9783751915564
Als ich dieses Buch schließlich zum ersten Mal in den Händen hielt, fühlte ich eine unbeschreibliche Dankbarkeit und Zufriedenheit. Niemals in meinem vorherigen Leben wäre ich auf die Idee gekommen, jemals als Autorin tätig zu werden. Nun ist meine kreative Schreibader ausgebrochen und hat bereits die ersten Grundsteine für mein nächstes Buch gelegt.
Auch das Thema Waldbaden wird mich auf meinem weiteren Lebensweg begleiten und im Juni 2020 mache ich eine weitere Ausbildung zur Natur-Resilienz-Trainerin. Es ist mein Herzenswunsch anderen Menschen natürliche Wege zur Erhaltung ihrer Gesundheit zu zeigen und ihnen somit auch die Natur wieder näher zu bringen.
Meine reduzierte Arbeitsstelle im sozialen Bereich werde ebenfalls nicht aufgeben, denn ich finde es sehr wichtig den jungen Menschen auch andere Perspektiven und Wege aufzuzeigen und sie bei der Grundsteinlegung für ihr weiteres Leben zu unterstützen.
Die Kraft, die ich für all diese Aufgaben brauche, schöpfe ich aus der Natur. Täglich verbringe ich in meiner Freizeit mindestens zwei Stunden im Wald. Sehr oft stehe ich da und fühle eine tiefe Verbundenheit ... staune über all die kleinen und großen Wunder, die es dort überall zu sehen und zu erfahren gibt.
Nun habe ich das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein. Ich komme meinem Wunsch – naturnah, authentisch und selbst bestimmt zu leben – immer näher.
Die vielen verschlungenen Wege meines Lebens haben sich entwirrt und ich bin unendlich dankbar für all die Erfahrungen, die ich sammeln durfte.
Doch am Ende angekommen bin ich natürlich immer noch nicht. Mal sehen, was das Leben noch für mich geplant hat und wo meine Füße mich hintragen werden … es bleibt spannend!
Nun konnten Sie mich ein klein wenig kennen lernen. Ich danke Ihnen für ihr Interesse!
Bad Salzschlirf, Juni 2020