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(Un)Sympathische Protagonisten


„Was für eine unsympathische Figur!“ Das hat wahrscheinlich jeder regelmäßige Leser schon einmal bei der Lektüre gedacht. Den ein oder anderen hat die Antipathie vielleicht sogar bewogen, das Buch aus der Hand zu legen. Doch muss ein Protagonist wirklich sympathisch sein? Oder ist es nicht sogar viel spannender, einen Blick ins Seelenleben einer Figur zu werfen, mit der man sich im realen Leben lieber nicht auf einen Kaffee treffen würde?

Das Parfum

Das Parfum

Wir stellen hier einige Werke mit unsympathischen Hauptfiguren vor:

1. Jean-Baptiste Grenouille in Das Parfum von Patrick Süskind wird von zwei Bedürfnissen angetrieben: seinem überaus stark ausgeprägtem Überlebenswillen und seinem Bestreben den perfekten Duft zu finden. Menschen hingegen erfüllen ihn mit solcher Abscheu, dass er nicht davor zurückschreckt, sie zu ermorden.

2. Gillian Flynn zeichnet in der ersten Hälfte ihres Bestsellers Gone Girl – Das perfekte Opfer noch ein sympathisches Bild ihrer Protagonisten, des Ehepaars Amy und Nick Dunne. Nur um das Bild, das der Leser von den beiden gewonnen hat, später komplett auf den Kopf zu stellen. Mehr wollen wir an dieser Stelle lieber nicht verraten!

Vom Winde verweht

Vom Winde verweht

3. Emma aus dem gleichnamigen Roman von Jane Austen hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Freundinnen unter die Haube zu bringen. Ihre gutgemeinte Hilfe geht nicht nur ihren Kameradinnen, sondern auch dem Leser schnell auf die Nerven.

4. Während Scarlet O’Hara in Vom Winde verweht mit dem Charme einer Südstaatenschönheit die anderen Figuren um den Finger wickelt, haben ihre Skrupellosigkeit und ihre Vernarrtheit in den falschen Mann sie die Sympathien vieler Leser gekostet.

5. Warum der Humbert Humbert genannte Erzähler mit pädophilen Neigungen in Vladimir Nabokovs umstrittenen Roman Lolita kein Sympathieträger ist, bedarf wohl keiner weiteren Ausführung.

Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

6. Holden Caulfield vereint all die negativen Eigenschaften, die Teenagern oft zugeschrieben werden: Er ist zynisch, besserwisserisch und rebelliert gegen die Erwartungen der Erwachsenen. Doch genau deswegen ist  Der Fänger im Roggen von  J.D. Salinger zum Kultbuch vieler Heranwachsender geworden.

7. Großmutter Rosalinda in Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche von Alina Bronsky ist herrschsüchtig und manipulativ. Um ihren Willen durchzusetzen, würde sie sogar über Leichen gehen. Selbst dann, wenn es die ihrer eigenen Kinder und Enkel sind.

8. Der namenlose Erzähler in Fjodor Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch bezeichnet sich selbst als bösartig, verkommen und hässlich. Seine zynische und aggressive Art führt dazu, dass der Leser ihm nicht mit mehr Liebe entgegensieht als er sich selbst.

American Psycho

American Psycho

9. Dass Patrick Batemann ein typischer Yuppie der 80er Jahre ist, macht ihn vielen schon unsympathisch genug. Doch statt wie seine Kollegen seine innere Leere mit Konsum, Drogenexzessen und Sexorgien zu füllen, geht der American Psycho noch einen Schritt weiter und driftet immer mehr in Gewalt, Vergewaltigung und Mord ab.

10. Die Hauptfigur Nora Eldridge in The Woman Upstairs von Claire Messud ist unzufrieden, verbittert und wütend. Dass Nora in nahezu jeder Rezension des Romans als unsympathisch charakterisiert wurde, hat in den USA im Erscheinungsjahr eine Diskussion über unsympathische Charaktere entfacht.

Welche Bücher mit unsympathischen Protagonisten fallen Ihnen noch ein?

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