AbeBooks.de

Fliegendes Blatt


AbeBooks Buchblog

Detailsuche Stöbern Antiquarische Bücher Verkäufer
Detailsuche

125 Jahre Kurt Tucholsky


Ausgabe der Weltbühne aus dem Jahr 1923

Ausgabe der Weltbühne aus dem Jahr 1923

“Soldaten sind Mörder”. Dieser Satz aus der Glosse Der bewachte Kriegsschauplatz  ist wohl das berühmteste und zugleich das am kontroversesten diskutierte Zitat des Journalisten und Schriftstellers Kurt Tucholsky, der am 9. Januar 2015 seinen 125. Geburtstag gefeiert hätte. Zugleich ist es auch ein guter Hinweis auf den politischen Aktivismus, dessen sich Tucholsky Zeit seines Lebens betätigte. Bereits während seiner Schulzeit und dem Jurastudium verfasste Tucholsky politisch motivierte, häufig satirische Texte und feierte erste schriftstellerische Erfolge. Doch nachdem er ab April 1915 als Soldat im 1. Weltkrieg gekämpft hatte, entwickelte er sich zum überzeugten Pazifisten und Antimilitaristen.

Schloß Gripsholm

Schloß Gripsholm

Nach dem Krieg schrieb er für eine Vielzahl an Zeitungen und Zeitschriften, darunter die Ulk, Das Berliner Tageblatt und Die Weltbühne. Sein literarisches Schaffen reicht dabei von politischen Leitartikeln, Gerichtsreportagen, Glossen und Satiren, Literaturkritiken bis hin zu Gedichten und Chansons. Insgesamt verfasste er ca. 3.000 Artikel, von denen etwa 1.600 in der Weltbühne erschienen. Zu Tucholskys bekanntesten unpolitischen Werken zählen vor allem die Romane Rheinsberg und Schloß Gripsholm, in denen Tucholsky zwei seiner zahlreichen amourösen Abenteuer verarbeitet hat.

Tucholsky-Gesänge

Fromme Gesänge; 1919 unter dem Pseudonym Theobald Tiger veröffentlicht. Vorwort von Ignaz Wrobel, ebenfalls ein Pseudonym Tucholskys.

Aber nicht alle seine Texte erschienen unter seinem richtigen Namen. Insbesondere für seine Beiträge in der Weltbühne, aber auch in anderen Publikationen verwendete er verschiedene Pseudonyme, darunter Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Peter Panter oder  Kaspar Hauser.

Tucholsky prangert vor allem die in der Weimarer Republik herrschenden Zustände an, allen voran den Militarismus und die Ermordungen linker Politiker durch extreme Rechte. Selbst nachdem er 1924 nach Paris übergesiedelt war, beobachtete und kommentierte Tucholsky weiterhin die politischen Strömungen in Deutschland und warnte vor dem Erstarken der Nationalsozialisten. Das Auswandern erwies sich als die richtige Entscheidung: Nach der Veröffentlichung des bereits eingangs zitierten Satzes “Soldaten sind Mörder” wurde Carl von Ossietzky, der Chefredakteur der Weltbühne, wegen Beleidigung der Reichswehr angeklagt. Tucholsky selbst entging einer Anklage, da er seit zwei Jahren in Schweden lebte. Auch den Weltbühne-Prozess, in dem Ossietzky und ein weiterer Journalist  wegen des Verrats militärischer Geheimnisse zu Haftstrafen verurteilt wurden, verfolgte Tucholsky von Schweden aus – wohlwissend, dass bei einer Rückkehr in seine Heimat auch ihm ein Prozess bevorstände.

Deutschland, Deutschland über alles

Deutschland, Deutschland über alles

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden Tucholskys Bücher verboten und viele wurden bei der Bücherverbrennung ein Opfer der Flammen. Tucholsky wurde die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Er war tief getroffen, dass seine Warnungen vor der aufziehenden Gefahr durch die Nationalsozialisten ungehört verschallt waren und zog sich resigniert aus dem politischen Journalismus zurück. Er setzte sich aber weiterhin für die Haftentlassung seines Freundes Ossietzky ein und schlug ihn für den Friedensnobelpreis vor. Dass Ossietzky 1936 tatsächlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, sollte Tucholsky aber nicht mehr miterleben. Er starb im Oktober 1935 an einer Tablettenüberdosis und wurde nahe Schloss Gripsholm beigesetzt.

⇒ Bücher von Kurt Tucholsky bei AbeBooks.de

 

Twitter Facebook Email
avatar