Autor im Blickpunkt

 

Bericht über die Lage des Staates Israel

 

Ein anderer Ort

Amos Oz

  • ist einer der international bekanntsten Schriftsteller Israels
  • engagiert sich in der Friedensbewegung
  • setzt sich für eine Zwei-Staaten-Lösung zur Beendigung des Nahost-Konflikts ein
  • bekam 1992 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
  • schreibt Romane, die menschliche Beziehungen in all ihren Nuancen meisterhaft schildern

>> Autor im Blickpunkt: Amos Oz


Amos Oz, einer der bedeutendsten Schriftsteller Israels, tritt für eine Versöhnung mit den Palästinensern ein. Sein Rezept gegen den Fanatismus: Humor.

Amos Oz' Essay mit dem Titel Wie man einen Fanatiker kuriert ist dieser Tage in Israel und Palästina aktueller denn je. In dem Vortrag, den er im Januar an der Evangelischen Akademie Tutzing hielt, setzte Oz sich mit dem Wesen des Fanatismus auseinander. Die gegenwärtige Krise nach dem 11. September sei eine Schlacht zwischen Fanatikern einerseits und dem Rest der Menschheit, der nicht glaube, dass der Zweck alle Mittel heilige.
"Die Kur wäre der Humor. Ich habe nämlich noch nie einen Fanatiker mit einem Sinn für Humor gesehen ", sagte Oz. Auch wenn man den Fanatismus nicht besiegen könne, könne man ihn doch zurückdrängen. "Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, führt teilweise zur Heilung."

Wie Oz selbst, der sich als "Fachmann für vergleichenden Fanatismus" bezeichnet, setzt sich auch seine Romanfigur Professor Alexander Gideon in Black Box in seinen wissenschaftlichen Arbeiten mit diesem Thema auseinander. Der Roman rekonstruiert in Briefen und Telegrammen das Scheitern der Ehe von Alexander und seiner Frau Ilona, die jetzt mit einem rechtsgerichteten Nationalisten verheiratet ist.

Amos Oz ist aktiv in der linken Friedensbewegung, die unter dem Motto 'Land gegen Frieden' für einen Rückzug aus den besetzten Gebieten plädiert. Er ist überzeugt, dass die einzige realistische Möglichkeit für die Zukunft der Menschen in Israel und Palästina die Zwei-Staaten-Lösung ist. Für diesen Kompromiss setzt er sich in seinen Zeitungsartikeln, Vorträgen und Essays ein.

"Wir wollen immer das, was wir nicht haben."

Geboren wurde der Schriftsteller 1939 als Amos Klausner in Jerusalem. Seine Familie war einige Jahre zuvor aus Russland und Polen eingewandert. Aus Protest gegen seinen Vater und andere Mitglieder seiner Familie, die militante Zionisten waren, verließ er im Alter von 15 Jahren sein Elterhaus, um in einem Kibbuz zu leben.
Fast 30 Jahre blieb er dort, gründete eine Familie und beschloss erst 1986, den Kibbuz zu verlassen. Oz bezeichnet diese Zeit als die wichtigste in seinem Leben, dort habe er mehr über Menschen erfahren, als irgendwo sonst. Die Widersprüche zwischen der Ideologie und dem gelebtem Alltag traten im Kibbuz offen zutage. Sie sind wohl Teil der menschlichen Natur, glaubt Oz. "Wir wollen immer das, was wir nicht haben."

Seine Kibbuz-Erfahrungen hat er in seinem Roman Ein anderer Ort verarbeitet. Darin erzählt er von den Bewohnern eines Kibbuz zu Beginn der sechziger Jahre an der nördlichen Grenze Israels. Auf den ersten Blick erscheint er als ein kleines Paradies auf Erden. Doch die Idylle wird bedroht: von den feindlichen Stellungen, die in den Bergen lauern, und aus sich selbst heraus. Hinter der oberflächlichen Harmonie tun sich Spannungen auf, verstricken sich die Menschen in verquere Liebesverhältnisse, werden ideologische Differenzen ausgetragen.

In seinen Romanen schreibt Amos Oz über Familienverhältnisse und Beziehungen, die er immer wieder mit den politischen Verhältnissen im Land verflicht. Seine literarische Arbeit könne man in einem Satz zusammenfassen, sagte Oz in einem Interview: "Ich schreibe über Familien. Die Familie ist die mysteriöseste, die surrealistischste, die politisch komplizierteste Institution der Welt."

Christine Illy

Literaturtipps
Bücher von Amos Oz im Angebot von abebooks:
>> Amos Oz

>> Der perfekte Frieden

>> Black Box

>> Mein Michael

>> Eine Frau erkennen

>> Sumchi

>> Der dritte Zustand

>> Ein anderer Ort