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Thomas Brussig Fragebogen für Büchernarren:

Thomas Brussig


Einer der wichtigsten deutschen Autoren beantwortet unseren Fragebogen für Büchernarren: Thomas Brussig über Lieblingsbücher, Schwiegermutters Rouladen und Zukunftsträume

 

Welche Romanfigur in der Literatur hätten Sie selbst gerne erfunden?
Brussig: Den Garp. Was mich gegenüber John Irving neidlos macht: Der Garp ist nicht nur gut entworfen, er ist auch gut ausgemalt.

Ihre Lieblingsautoren?
Brussig: Erich Kästner, Milan Kundera, Philip Roth, John Irving - aber alle anderen kriegen auch ihre faire Chance.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Brussig: Ich lese gerade "Die befreite Braut" von Abraham B. Joshua und "Manhatten Transfer" von John Dos Passos. Das letzte Buch, das einen tiefen Eindruck auf mich gemacht hat, war "Das Fest des Ziegenbocks" von Mario Vargas Llosa.

Ihr Lieblingsbuch in der Kindheit?
Brussig: "Der Zauberer der Smaragdenstadt", von einem Russen namens Alexander Wolkow. Vermutlich ein Plagiat des "Zauberer von Oz". (Vermutlich deshalb, weil ich letzteres nie gelesen habe.)

Welche Romanfigur wären Sie gerne?
Brussig: Ich halte dies für die schwierigste Frage des Fragebogens, eigentlich sogar für eine unzulässige Frage. Der Mensch ist frei, sein Leben zu gestalten, und wenn ich eine bestimmte Romanfigur gerne wäre, dann könnte, dann müßte ich ihr nachleben. Ich will mein Leben mit keiner Romanfigur tauschen - auch wenn ich immer wieder Dinge in meinem Leben tue, die von Romanfiguren inspiriert wurden. Mir imponieren regelmäßig Romanfiguren, die sich nicht korrumpieren lassen und sich für ein Leben in Würde und öffentlicher Bedeutungslosigkeit entscheiden.

Welche drei Bücher würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Brussig: Eine Survival-Fibel. Desweiteren zwei ganz dicke Bücher, die ich noch nicht gelesen habe, die aber waaaahnsinnig gut sein sollen. Der Mann ohne Eigenschaften? Jahrestage? Die Gebrüder Karamasow? Soll die Waage entscheiden.

Andere gehen morgens ins Büro oder in den Betrieb - Wie fängt bei Ihnen ein Arbeitstag an?
Brussig: Ich schalte den Computer ein.

Haben Sie beim Schreiben bestimmte Rituale?
Brussig: Es steht meist ein großer Pott Tee aufm Schreibtisch.

Sammeln Sie Bücher zu bestimmten Themen? Wenn ja, zu welchen?
Brussig: Nein.

Wie viele Bücher lesen Sie im Monat ungefähr?
Brussig: Höchstens acht, manchmal kein einziges - es schwankt sehr.

Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Antiquarische Bücher sind für mich...
Brussig: oft die letzte Hoffnung, wenn ich ein ganz bestimmtes Buch brauche. Ich finde zwar Buchläden interessanter als Antiquariate - in Antiquariaten liegt zuviel Mist, zu viele Bücher, die ich niemals lesen würde - aber ein Datenverbund von Anbietern antiquarischer Bücher ist ein Segen für die Menschheit!

Welchen Autor möchten Sie ganz persönlich empfehlen?
Brussig: Carson McCullers

Welchen Autor halten Sie für überschätzt?
Brussig: Goethe. Seine Fragmente, seine ersten Fassungen sind durchaus kraftvoll, ja grandios, die endgültigen Fassungen sind immer schwächer.

Immer?
Brussig: Jawohl, immer.

Können Sie Bücher wegwerfen?
Brussig: Nein.

Welches Buch hat Sie besonders geprägt?
Brussig: "Auferstehung" von Leo Tolstoi und "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger.

Was tun Sie am liebsten an einem freien Nachmittag?
Brussig: Das, was ich auch sonst am liebsten tu. Das Schöne am Schriftstellerberuf ist u.a., daß man freie Nachmittage hat, wann immer man will.

Welche magische Gabe würden Sie gerne besitzen?
Brussig: Mich unsichtbar machen zu können wünsche ich mir fast täglich. Heilen zu können wünsche ich mir nur manchmal - dann aber doll.

Was schätzen Ihre Freunde an Ihnen am meisten?
Brussig: Keine Ahnung. Meine Hilfsbereitschaft? Unternehmungsgeist? Verläßlichkeit?

Ihre Lieblingsmusik?
Brussig: Je länger ich mich mit Musik beschäftige, desto aussichtsloser kommt es mir vor, mich auf eine Lieblingsmusik festzulegen. Wenn ich mich festlegen müßte: Ich könnte eher auf die Musik der Vor-Beatles-Ära verzichten als auf das, was mit den Beatles anfing.

Ihr Leib- und Magengericht? Ihr Lieblingsgetränk?
Brussig: Schwiegermutters Rouladen. Mein Erdbeermilchshake.

Was wollten Sie als Kind "mal später werden"?
Brussig: Kriminalist.

Ihr Lebensmotto?
Brussig: Es gibt nichts Gutes. Außer: Man tut es.

Ihr nächstes Ziel?
Brussig: Ich will irgendwann ein Buch schreiben können, das mein Lieblingsbuch wird. Das wird zwar etwas peinlich, wenn ich bei Fragebögen wie diesem mein eigenes Buch als Lieblingsbuch benennen müßte - Aber ich nutze diese Frage schon mal dazu, die Welt darauf vorzubereiten. Weitere Ziele: Haus bauen, Baum pflanzen, Sohn/Tochter zeugen und bei der nächsten großen Lesereise nie in den falschen Zug einsteigen.

[aufgezeichnet von Angela Reinhardt]
 


Thomas Brussig bei Abebooks.de

[Helden wie wir ]
[Thomas Brussig]

Thomas Brussigs Lieblingsbücher auf einen Blick

Meine Lieblingsautoren
[Erich Kästner]
[Milan Kundera]
[Philip Roth]
[John Irving]

Habe ich zuletzt gelesen:
[Abraham B. Joshua: Die befreite Braut]
[John Dos Passos: Manhatten Transfer]
[Mario Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbockes]

Mein liebstes Kinderbuch:
[Alexander Wolkow: Der Zauberer der Smaragdenstadt]

Meine drei Bücher für die einsame Insel:
[Das große Pfadfinderbuch]
[Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften]
[Uwe Johnson: Jahrestage]

Meine Empfehlung an Sie:
[Carson McCullers]

überschätzt:
[Johann Wolfgang von Goethe]

Diese Bücher haben mich geprägt:
[Leo Tolstoi: Auferstehung]
[J.D.Salinger: Der Fänger im Roggen]

Kurzbiographie Thomas Brussig

Helden wie wir Thomas Brussig, 1965 in Berlin geboren, wuchs im Ostteil der geteilten Stadt auf. Nach der Schule ließ er sich zum Baufacharbeiter ausbilden und holte das Abitur nach.

In den kommenden Jahren arbeitete er abwechselnd in einer ganzen Reihe von Jobs.

1990 begann er ein Soziologiestudium in Berlin, das er 1994 abbrach, um sich ganz dem Studium der Dramturgie an der Filmhochschule Potsdam widmen zu können.

Seine Schriftstellerkarriere begann er jedoch schon 1991 unter Pseudonym mit seinerm Debütroman "Wasserfarben". Seit 1995 arbeitet er als freiberuflicher Schriftsteller und Drehbuchautor. 1999 erhielt er - zusammen mit Leander Haußmann den Drehbuchpreis der Bundesregierung. Thomas Brussig lebt in Berlin.