Verlag: Verlag Dr. Kovac, Hamburg, 2008
ISBN 10: 3830037368 ISBN 13: 9783830037361
Anbieter: Verlag Dr. Kovac GmbH, Hamburg, Deutschland
Erstausgabe
Softcover. Zustand: neu. 1. Auflage. Studien zur Migrationsforschung, Band 9 368 pages. Türkisches Leben kristallisiert sich mittlerweile immer deutlicher in vielen deutschen GroÃstädten heraus. Meist wohnt diese Bevà lkerungsgruppe in ethnisch hochverdichteten Wohnvierteln, Wohnviertel jedoch, die darüber hinaus zu denjenigen zählen, in denen die Arbeitslosen- und Armutsraten am hà chsten sind. Viele Mitglieder dieser Einwanderergruppe sind für die moderne Berufs- und Arbeitswelt nicht qualifiziert und haben inzwischen aufgrund ihrer sozioà konomischen Perspektivlosigkeit resigniert und den Rückzug in die eigene Ethnie angetreten. Dieser Entwicklungspfad wird häufig durch äuÃere Symbole flankiert, wie das bewuÃte Tragen von Kopftüchern oder Tschador durch türkische Frauen oder die rasante Ausbreitung von symbolträchtigen Moscheen. Die Entwicklung einer Parallelgesellschaft scheint keine Utopie mehr. Doch gilt diese ungünstige Entwicklungslinie für alle Mitglieder dieser ethnischen Gruppe in Deutschland? Diese Frage wird am Beispiel der Ford-Mitarbeiter in Kà ln untersucht. Zunächst jedoch setzt sich Steffens mit der Bedeutung des Fremden in der gesellschaftlichen Modernisierung auseinander, diskutiert die klassischen und aktuellen soziologischen Ansätze, um dann auf die Bedeutung dieser Figur in der Gegenwartsgesellschaft, die durch Destabilisierung kollektiver und individueller Orientierungen sowie den Wettbewerb um Kampf um knappe Ressourcen gekennzeichnet ist, einzugehen. Welche Verunsicherungen bei der Aufnahmegesellschaft und den Migranten im Ãbergang von der modernen zur postmodernen Gesellschaft enstehen und welche Integrationschancen Fremde haben, wird unter Einbezug von Forschungsergebnissen in überzeugender Weise diskutiert. In den folgenden Kapiteln wird die Ausgangssituation der türkischen Arbeitsmigranten der ersten wie auch der zweiten Generation beschrieben. Wo kommen sie her, was sind die soziokulturellen Merkmale der Herkunftsregion? Worin liegt die Bedeutung der familiären und verwandtschaftlichen Bindungen? Wie steht es um die schulischen und beruflichen Ausgangsqualifikationen? Hier wird eingehend auf den Stellenwert von Wohnen, Familie, soziale Netzwerke, Heiratsverhalten und religià se Orientierungen eingegangen. Dabei werden die Migrationsverläufe und die Stationen der Wohnkarrieren betrachtet und vor dem Hintergrund soziokultureller Merkmale der Herkunftsgesellschaft analysiert. Danach wird die Untersuchung auf die Stadt Kà ln eingegrenzt. Hierbei gelingt dem Autor ein präzises Nachzeichnen und Erklären der Wohnmilieus von türkischen Ford-Mitarbeitern in Kà ln, und zwar von den Anfängen der Gastarbeitereinwanderung in den 1960er- Jahren bis in die Gegenwart. AbschlieÃend kommt der Autor noch einmal auf die zentrale Frage zurück, ob die insgesamt ungünstige Entwicklungslinie des Integrationsverlaufs der türkischen Bevà lkerung in Deutschland überhaupt verallgemeinert werden kann, also auch für Migranten gilt, die sozioà konomisch in das Berufs- und Arbeitsleben integriert sind? Von dieser Gruppe wäre doch sicherlich zu erwarten, dass sie sich vom allgemeinen Mainstream absondert und hinsichtlich der Wohnstandortpräferenzen, der Bedeutung des Islam, des Klammerns an traditionellen Normen und Werten der ländlichen Türkei, wie beispielsweise dem Prinzip der Ehre oder des Heiratsverhaltens eigene Strategien verfolgt? Insgesamt spannende Fragen, denen der Autor nicht aus dem Wege geht.