Vampire Collection - Softcover

Webber, Savah M.

 
9780972743228: Vampire Collection

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Nun sprich, Orrin. Was willst du anderer Qualen ertragen?
Doch der Henker der Inquisition erhielt nur einen vernichtenden Blick des Gequälten.
Warum sollst du leiden für deinen Herrn, der dich verriet? Er ist mit dem Teufel im Bunde, das wissen wir. Sprich, erleichtere deine Seele Finde Frieden.
Doch ein Gemisch aus Speichel und Blut traf die breite Brust, was Octavio, der Henker, mit einem Schlag der Peitsche beantwortete.
Vielleicht wird dich das Rad zur Besinnung bringen. Es hat schon viele Zungen gelöst. Sicherlich wird es auch dir dabei helfen, deine Vergehen zu gestehen.
Und mit einem Nicken zu seinem Gehilfen, wandte er sich ab. Als er den Folterkeller verliess, hörte er Orrin qualvoll aufschreien.
Ich muss ihn zu einem Geständnis bringen. Orrin ist der Einzige, der nahe genug an des Teufels Diener, Lord Brandon, war. Nur seine Aussage würde Bestand in einer Anklage gegen diesen Ketzer haben, diesen Blutsauger.
Dennoch konnte Octavio nicht vermeiden, dass er sich unsicher umsah, als er durch die schmalen Zellengänge ging. Seit sie Orrin hier unten gefangenhielten, fühlte er sich nicht mehr so wohl in seiner Haut.
Hin und wieder konnte er hinter den eisernen Türen Schluchzen und leisen Weinen hören, hin und wieder ein qualvoller Schrei.
Oh, er liebte seine Arbeit, ohne Frage. Wusste, wie wichtig sie für die Kirche und die Obrigkeit war.
Er fühlte sich bedeutend, denn dies sagte man ihm auch bei jeder Gelegenheit.
Und nun wollte die Kirche einen ihrer grössten Widersacher aus dem Weg räumen.
Alles war schon bereit.
Es fehlten nur noch der Angeklagte und seine beschuldigende Aussage. Und es war eine Frage der Zeit, bis er diese bekommen würde.
Er hatte alle zum Sprechen gebracht.
Alle hatten ein Geständnis abgelegt.
Alle, ohne Ausnahme, bis auf .
Nein, daran wollte er jetzt nicht denken.
An diese stolze, wundervolle Frau, die unter seiner Folter starb. Die der Ruf vorausgeeilt war, Brandons Geliebte gewesen zu sein.
Nun gibt es sie nicht mehr.
Ihr geschundener Körper verfaulte in einem tiefen Loch, wo schon viele vor ihr den Weg hinein gefunden hatten. Sie hätte es anders haben können. Doch zumindest hatte man alles versucht, ihre Zunge zu lösen.
Nicht einmal das Rattenloch, konnte sie zum sprechen bringen.
Er grinste, als er sich zurückerinnerte, an ihre
schreckensgeweiteten Augen, als man diese junge Frau in diesem engen Käfig in das Rattenloch hinunterliess.
Unfähig sich zu rühren, in ihrem engen Käfig nagten die Ratten an ihr.
Viele hatten dort unten ihren Verstand verloren sie verlor dabei ihr Leben. Der Teufel, dem sie sich verschrieben hatte, ermordete sie, damit sie ihn und seine weiteren Helfer nicht verraten konnte.
Aufstöhnend liess er sich auf einen wackeligen Hocker fallen, schenkte sich einen Becher von dem Roten ein, den ihm der Kardinal gebracht hatte.
Doch der Inhalt des Beutels neigte sich dem Ende, trug weiter zu seiner schlechten Laune bei.
Wie war ihr Name gewesen? Ja Mirana. Sie war wunderschön. Ihr schwarzes, seidenes Haar ihr makelloser Körper, weiche samtene Haut. So voller Wärme, so voller Lust. Sie hätte es anders haben können , dachte er erneut abfällig und zuckte dabei mit den Schultern.
Wieder klang ein Schrei vom Folterkeller herüber. Bedeutete Musik in seinen Ohren. Genüsslich lehnte er sich zurück, schlürfte an seinem Becher, beobachtete eine Ratte, die an der Wand entlang huschte.
Selbst diese Nager scheinen Respekt und Ehrfurcht vor mir zu haben, grinste er.
Wieder ein qualvoller Schrei und er hob prostend seinen Becher.
Auf dein Wohl, Orrin , murmelte er und ein schmutziges Lächeln huschte über sein vernarbtes Gesicht.
Er lehnte an die feuchte Wand hinter sich, streckte
seine stämmigen Beine davon, die in schweren Stiefeln steckten.
Ein Geschenk eines anderen Gefangenen, der im Jenseits seinen Schöpfer auch schon lange getroffen hatte.
Der Becher war geleert und Octavio stand auf, ging in einen angrenzenden Folterkeller, der für bestimmte Verhöre reserviert war.
Sein Reich!
Sanft, fast zärtlich strich er über die Peitschen, die sauber aufgereiht an der Wand hingen, gab den Ketten einen leichten Stoss, das Klirren erfüllte ihn mit Wollust.
Liebevoll arrangierte er die Stricke und Ketten der Streckbank, fuhr dabei über die getrockneten Blutspuren auf dem Eichenholz.
Ein Blick glitt über die Käfige im Hintergrund des Raums, drei an der Zahl.
Alle leer, zu seinem Bedauern.
Wie still es in diesem Raum war. Doch bald würde er gefüllt sein mit dem Stöhnen und den Schreien des Lords, diesem Blutsauger, diesem Ketzer.
Nur das flüchtige Knistern der Fackeln war zu hören, wenn das heisse Pech immer wieder explodierte und zischend zu Boden tropfte.
Ein weiterer, grauenvoller Schrei drang von dem anderen Folterkeller herüber, was Octavio mit einem Lächeln bedachte.
Mein Folterknecht scheint Orrin eine sehr harte Zeit zu geben, dachte er genussvoll, doch gleich darauf versank er wieder in seine Träume, endlich Lord Brandon auf diesem Streckbett oder in einem dieser Käfige zu sehen.
Dabei hörte er nicht das letzte Röcheln, das leise aus der Kehle seines Folterknechts entwich und er achtlos zu Boden fiel. Dessen Leben ausgelöscht, durch einen Gegner, der mächtiger war, als er selbst.
Octavio spürte nicht, wie sich sein eigenes Leben unweigerlich dem Ende zu neigte. Die Sanduhr auslief. Niemand stoppte sein Schicksal, niemand zeigte Gnade
Die Tür zu dem Folterkeller, in dem er weilte, seinen Wunschgedanken nachhing, öffnete sich leise. Die gutgeölten Gewinde der eisernen Tür gaben geräuschlos nach
Ein grossgewachsener Mann, dessen Augen gefüllt waren mit Hass und Vergeltung, betrat den Raum, sah kalt und abwertend auf die Gestalt des Henkers, der ihm den Rücken zugekehrt hatte, immer noch arglos vor sich hinträumte.
Der Mund des Mannes öffnete sich leicht.
Weisse Fänge wurden sichtbar. Messerscharf und tödlich.
Doch er würde sich nicht an diesem Henker nähren, ihn damit aufwerten, zu mehr, als er zu Lebzeiten jemals gewesen war.
Gefangene, die unter diesem Henker gelitten hatten, betraten leise den Folterkeller, verhielten sich auf ein Zeichen des Blutsaugers ruhig.
Mehr und mehr füllte sich der Raum des Schreckens, bis alle Gefangenen aus den Zellen befreit waren und ihren Weg hierher gefunden hatten

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